Das Jahr 2011 nähert sich seiner Halbzeit, und schon kann man die ersten Rückblicke verfassen. Die wöchentlichen Anti-Atom-Demos in Erbach (Odw.), im Herbst 2010 im Zuge der bundesweiten Proteste gegen die Laufzeitverlängerung der deutschen AKWs entstanden, wurden nach dem Atom-Ausstiegsbeschluss (vorläufig??) eingestellt. Die berechtigte Forderung der Protestierenden nach Sommerferien konnte damit durchgesetzt werden. Zur Erinnerung an das möglich Gemachte hier ein paar Eindrücke der hiesigen Montagsspaziergänge.
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Bereits zum 20. Male haben sich am frühen Montag abend auf dem Erbacher Schloßplatz Anti-Atomkraft-Demonstranten zum sogenannten “Montagsspaziergang” versammelt. Seit den Wendland-Demonstrationen im Herbst 2010 findet der Spaziergang wöchentlich statt. Am Zug beteiligten sich rund 300 Personen – so jedenfalls meine grobe, von keiner Zählung gestützte Peilung. Für hiesige Verhältnisse eine enorme Masse, den 300 Personen sind immerhin rund 1% der Bevölkerung von Erbach-Michelstadt. Wer will und historisch bewandert ist, kann diese Prozente gerne mal mit den großen Friedensdemonstrationen Anfang der 80er in der alten BRD oder anderen Vergleichsgrößen messen und seine Ergebnisse hier in den Kommentaren hinterlassen.

Der Künstler Gunter Demnig verlegt den ersten Stolperstein vor dem Haus Große Gasse 20 in Michelstadt.
Stolpersteine sind kleine Gedenktafeln für Menschen, die von den Nationalsozialisten vertrieben, verschleppt oder ermordet wurden. Sie werden vor den letzten frei gewählten Wohnorten der Nazi-Opfer in das Gehwegpflaster eingefügt. Sie sollen die Erinnerung im Alltag wach halten und die Passanten gedanklich “stolpern” lassen.
Auf Initiative Michelstädter Bürger wurden am 13. März 2010 die ersten 21 von rund 60 Stolpersteinen verlegt, die übrigen Steine sollen im Herbst und im Frühjahr folgen. Schüler verlasen die Namen der Opfer, und einige Angehörige erinnerten an deren Leben.
Berichtet wurde auch über den Judenprogrom am 9. November 1938 in Michelstadt, bei dem die Synagoge innen zerstört, das Textil-Kaufhaus Reichhardt in der Braunstraße geplündert, Michelstädter Juden in einer Art “Festzug” durch die Stadt getrieben und in Konzentrationshaft verschleppt wurden.
Die Rekonstruktion dieser Ereignisse auf Grundlage von Prozessakten aus dem Jahr 1948 ist leider bislang noch nirgendwo nachlesbar. Auch einen öffentlichen Zugang zu weiteren biographische Angaben über die Menschen, an die mit den Stolpersteinen erinnert wird, habe ich noch nicht gefunden. Ich fände es sehr gut, wenn Bürger und Besucher Michelstadts im Web mehr über die Menschen und ihre Geschichte erfahren könnten.

So gehört das: Im Herzen der Stadt, auf dem Marktplatz vor dem historischen Rathaus, öffentlich und inmitten der Bürger und ihrer gewählten Repräsentanten wurde der Neue aufs Schild gehoben. Das Formale schön knapp gehalten, der Neue erklärt, was ihm wichtig ist und was er gerne erreichen will (was hoffentlich auch mal irgendwo nachlesbar ist), noch ein wenig Reden und Musik und dann wars das. Was die Bürger nicht daran gehindert hat, noch stundenlang gemeinsam auf dem Marktplatz zu stehen, zu feiern und zu schwatzen.
Insgesamt also eine erste erfolgreiche Maßnahme zur Belebung der Innenstadt.











Laut und leer präsentierte sich das erste Odenwälder “Rock gegen Rechts”-Konzert in der Beerfeldener Reithalle. Offenbar zählen es nur wenige Menschen zu ihren bevorzugten Samstagsabend-Vergnügungen, bei gefühlten 110 dB Schalldruck aus selbstgemachtem Hardcore-Death-Metal-Rock die Informationsbroschüren linker Parteien zu durchblättern.
Angekündigt wurden die Bands Out of Damage, Neraia, Noir, The Cocks und Fools-X-ing. Out of Damage, Neraia und The Cocks haben gespielt, soweit ich die Bands mangels Ansagen oder anderer Hinweise überhaupt identifizieren konnte.
Update: Fools-X-ing und Bingoma haben gespielt, bevor ich am späteren Abend kam, Neraia trat nicht auf. Meine persönliche Erklärung für den geringen Publikumszuspruch am späteren Abend ist die Kombination von ziemlich abseitiger Lage des Veranstaltungsorts (o.k., da kann man Krach machen…), relativ unbekannten Bands und beschränkter stilistischer Bandbreite der Musik. Wenn selbst auf dem großen Volksfest Bienenmarkt massentaugliche Partymucke bei freiem Eintritt ein Zelt nicht so ohne weiteres füllt, kann man in einem der hinteren Zipfel des Odenwalds keine Massen erwarten. Offenbar kamen dennoch mehr, als im Saal zu sehen waren: In der näheren Umgebung machten nämlich ein paar größere Gruppen von Jugendlichen auf der Straße Party – vermutlich mit wesentlich billiger beschafftem Bier. Mit einem politischen Misserfolg der Linken hat das alles nichts zu tun, auch wenn das die Rechten, die auf meinen Blog verlinken, gerne so sehen würden.
Zum kompletten Bilderalbum:
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| Rock gegen Rechts Beerfelden |













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